The Resurrectionist

TL;DR

Ein schauerliches Werk der Medizin, die mal wieder mehr heilte als sie sollte. Die fantasievolle Gestaltung hilft über fehlende Qualität hinweg.

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QualitätGestaltungPreis/LeistungEinzigartigkeitDanke für die Unterstützung!

In 1908, fifty years after the publication of Gray’s Anatomy, Dr. Spencer Black arranged for the publication of his Codex Extinct Animalia. Just six copies were printed before Dr. Black withdrew the project and disappeared; the book was never distributed, and the Philadelphia Museum of Medical Antiquities has the only known existing copy. Why Dr. Black stopped printing so abruptly (and then vanished) remains unknown.

Inzwischen gibt es eine Neuauflage, farbig gedruckt in China, nebst einem biographischen Konvolut seines Briefverkehrs und einer daraus rekonstruierten Lebensgeschichte. Alles sehr schauerlich zu lesen, wunderbares Eintauchen in eine klassische Gothic Story. Das Medium anreichern mit vertrauenswürdigem Äußeren. Sowie Russia Today heute viel Geld in sein Fernsehstudio und die Bildqualität steckt, hat man schon zur Zeit der Romantik die Fantasie beflügelt, indem ein vermeintlicher Herausgeber im Vorwort über gefundene Abschriften und Texte schwadronierte, die es nur gelte neu zu setzen und zu veröffentlichen, denn alles spielt sich ab irgendwo und niemand muss sich was ausdenken. Den Löwenanteil von Dr. Blacks Werk machen die anatomischen Zeichnungen seiner Geschöpfe aus. Genau hier sehen wir den Effekt des vertrauenswürdigen Anscheins. Medizinische Zeichnungen mit Legende eines Meerjungfrauenkadavers bedienen sich dieser interessanten Verbindung. Viele Anatomen haben sicherlich einiges in ihre Abbilder des verderblichen hineingeschwindelt, dennoch entwickelten diese Motive in ihrer Aufmachung eine bestimmte Vorurteilsfreiheit. Vielleicht betrachten wir da sogar konservierte wissenschaftliche Sehnsucht. Danach folgte die Fotografie und erschuf sich ein Zeitalter der Bilder, in der die Wahrheit nicht mehr als abbildbar gilt. Die Wahrheit indes kehrt nach Hause zurück ins fühlende postfaktische Herz.

Jetzt also diese Neuauflage an der man recht gut erkennen kann, dass schöne Bücher nicht nur Deckel haben. Wir bestaunen hier eine wunderbare Gestaltung aber die Qualität lässt leider zu wünschen übrig. Gott sei Dank wurde es trotzdem gedruckt, wenn auch auf billiges Papier. Diese wunderbaren Zeichnungen kann man schon auf dem Einband bestaunen, was diesem Buch sicherlich eine schöne Amazonverkaufsfläche verschafft. Das Buch an sich ist schön aber schlicht beklebt. Sein Papier wellt sich beim Anfassen wie Druckerpapier. Das lässt die Ausgabe fast indirekt teurer werden als man mag. Dennoch sind mir nicht viele Alternativen bekannt, so morbide gleich gar nicht. Wir haben es in unsere Fantasie-Naturbücher eingeordnet und freuen uns darauf, dass neugierige Kinder sich einmal sehr darüber erschrecken werden.

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