Reise um die Erde in 80 Tagen


Ich weiß nicht, ob es jemandem gelingen wird sämtliche Ausgaben der „Reise um die Welt in 80 Tagen“ zu sichten. Es scheint völlig unmöglich alle oder selbst nur die schönsten miteinander zu vergleichen. Eine Ausnahme ist Andreas Fehrmann dem es gelungen ist die vorliegende Ausgabe verlagsgeschichtlich aufzuarbeiten. Auf seine Ausführungen stütze ich mich mit vielfachem Dank. So wage ich zu behaupten, dass mir mit dieser Nachahmung des alten Leipziger Druckes einer der ansehnlichsten Jules Verne Bände vorliegt. Ein Jules Verne lässt sich immer gut verschenken. Jeder kennts, niemand hats gelesen. Nun das gleiche gilt wohl für Krieg und Frieden, in dem Falle sich das Lesen aber schwer nachholen lässt.

Man wird sich  zurücklehnen können in dem Wissen, dass es wahrlich kaum eine schönere Ausgabe gibt. Man nennt sie auch die roten Jules Verne Bücher, im Gegensatz zu den blauen oder gelben. Ursprünglich waren das ganze 68 Bände. Darüber hinaus handelt sich um eine angemessene Übersetzung von Gisela Geisler, verständlich, lesbar und vollständig. Auch wenn einige andere, dafür leider Taschenbuch-Ausgaben, das Werk umfangreicher ausführen zu können. „Die Reise zum Mittelpunkt der Erde“ vom DTV (ISBN 978-3-423-13575-7) gönnt dem Text ein umfangreiches Nachwort, dass in mehreren Teilen in den Stoff und die Ideenwelt um dieses Thema einführt. Interessanterweise wurden zu jener Zeit einige ebenso abenteuerliche Weltbilder als Wahrheit oder wissenschaftliche Erkenntnis publiziert. „Die Reise um die Welt in 80 Tagen“ wurde da noch mit dem Anstand der Sachlichkeit niedergeschrieben  und heute vergleicht man das mit Karl May.

Die Zeit zeigt ihre Vorliebe nicht für das Wahre sondern für das Beliebte. Und die beliebtesten Bücher werden am schönsten verpackt. Bedauerlicherweise hat sich seit hundert Jahren niemand gefunden, der imstande war einen Jules Verne passender zu gestalten. Ja sie haben richtig gelesen, die schönste Jules Verne Reihe ist bereits hundert Jahre alt. Aber ich bin für Gegenvorschläge offen.

Der Band gehört zu einer allseits bekannten Hartleben-Ausgabe

Erst bei meiner Recherche für dieses Buch stieß ich auf anderen 37 Bücher Bände der Ausgabe des Bücherklubs, die in Lizenz, der wohl allseits bekannten Hartleben-Ausgabe nachempfunden worden. Diese nachempfundene Ausgabe wird heute ebenso gern gehandelt wie vor 30 Jahren, als die ersten Bände erschienen, aber das ist ausführlicher bei Uwe Ross in der Bücherkammer nachzulesen.

Wie oben deutlich erkennbar ist der Einband in Gold und Schwarz geprägt mit einem Panorama aus allerlei fortschrittlichen Verkehrsmitteln, also zumindest für den Ausgang des 19. Jahrhunderts, als die Menschheit geradezu friedlich auf die Errungenschaften der Technik blickte und sich fragte, was man denn eigentlich noch erfinden sollte. Fogg reist 1870 um die Welt. Elf Jahre später fragte sich ein amerikanischer Ingenieur namens Hiram Maxim auf der Ersten Internationalen Elektrizitätsausstellung in Paris mit welchem Gerät sich denn am meisten Geld verdienen ließe. Ihm wird geraten, etwas zu erfinden, womit die Europäer in Lage wären sich noch besser umzubringen. Er fabriziert das Maschinengewehr und das 20. Jahrhundert beginnt. Er wird damit deutlich mehr verdienen als der Verlag Hartleben mit seinen Jules Verne Bänden, die bis 1911 gedruckt werden.

Hartleben tauschte jeweils nur den Titel der einzelnen Bände aus. Der Rest des Covers blieb bestehen. Ich bilde mir ein, dass der Einband der Originalausgabe aus den 20er Jahren noch in normales rotbraunes Leinen gebunden war und für diese lizensierte Ausgabe durch Kunststoffleinen ersetzt wurde. Man mag mich eines Besseren belehren. Das Lesebändchen passt sich farblich wiederum dem Einband an. Die Seiten tragen einen  farblich geschmackvollen dunklen Blauschnitt und erfreuen sich selber eines leichten Brauntons. Ich glaube selber nicht, dass der von den ca. 25 Jahren herrührt, die der Band inzwischen auf dem Buckel hat.

Ein wunderschönes weiches Schriftbild ziert diese Seiten. Die Kapitelüberschriften finden durchgehend in der Kopfzeile. Der dunkelbraune Text ist im Block gesetzt. Die Größe der Seiten lässt eine große gut lesbare Schrift zu, von der die Taschenbücher der Suhrkamp-Wissenschaftsreihe nur träumen können.

Alle original Illustrationen wurden mit abgedruckt.

Diese Ausgabe ist viele andere Verne-Ausgaben auch mit reichhaltigen Kupferstichen illustriert (der Jules Verne Club führt alle auf einer seiner Partner-Seiten). Das hat durchaus einen gewissen Charme. Hab ich es doch lieber meine doch recht schwammigen Vorstellungen der Figuren mit einer richtigen Illustration zu vergleichen. Über die Figuren hinaus sind natürlich gerade abenteuerliche Situationen abgebildet. Wie es diese Ereignisse so an sich haben, treten sie vor allem plötzlich auf. In dieser Hinsicht können Bilder, wie das des Indianerüberfalls auch spoilern. Der Leser sieht dann die Indianer, bevor er anderthalb Seiten später von ihnen erfährt.

Die Bebilderung an sich scheint immernoch das Privileg von Literatur zu sein, die man im Allgemeinen nicht ernstnehmen möchte. Die leidige Debatte um eine durch Bücher besonders angeregte Phantasie hat sich wohl allerorten darauf geeinigt, dass der bloße Text besonders förderlich dafür sei Kindergehirne zur Illustration zu treiben, vor allem natürlich mehr als das jeder Film vermöge. Ich wage nicht zu behaupten, dass diese Idee plausibel ist. Jedoch frage ich mich warum dann gerade die Jugendliteratur so reich verziert wird. Was eigentlich die falsche Frage ist. Denn vielmehr würde es mich interessieren warum dieses literarische production design dann abrupt nicht mehr vorhanden ist und uns Erwachsenen nur noch der blanke Text bleibt. Ich meine, es ist ganz und gar nicht peinlich mir zu wünschen, dass man meiner Phantasie ein wenig auf die Sprünge hilft.

Allzu oft werden solche Bücher ja noch vorgelesen. Das hat eine vielleicht längere Tradition, als man zu meinen glaubt. Der Bücherbesitz hat sich wohl eher verbreitet als die Lesefähigkeit. Viele Menschen nannten damals Bücher ihr eigen die sie gar nicht lesen konnten, sich aber vorlesen ließen. Blinde machen das noch heute mit Bildschirmtexten und einer Software zum Versprachlichen. Mit einiger Übung sind sie am Ende schneller als selbstständige Leser. Egal, am Ende reicht die Mutter oder der Vater dem Kind das Buch, damit es sich Herrn Fogg betrachten kann. Aber vielleicht unterlassen das auch einige Eltern, um den Sprössling nicht zu unterfordern.

Zum Vorlesen ist diese Ausgabe ihren Abmessungen entsprechend mehr geeignet. Mit 17 x 24,5 Zentimetern geht sie über einem dicken A5 Notizblock hinaus, der in keine Hosen- oder Jackentasche passt. Aber wer möchte schon das schöne Buch durchs Reisen verunstalten. Dabei hält es Transporten eigentlich gut stand. Ich habe es selber mehrere Wochen unsanft in meiner Tasche umhergetragen ohne es damit zu beschädigen.

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QualitätGestaltungPreis/LeistungEinzigartigkeitDanke für die Unterstützung!

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2 Comments

  1. Hallo Tom,
    Hallo Maria,

    oh man, dieser Blog ist ja genial. Also eure Auswahl an Bücher bisher ist ja top. Ich liebe schöne Bücher und auf meinem Blog stelle ich auch immer wieder schöne Ausgaben vor. Ich nehm euch auch gleich in meine Topliste der Buchblogger auf.

    Ist das hier die Reprint Ausgabe? Ich umkreise das Buch auch schon länger, aber bin mir nicht sicher, ob ich mir nicht lieber die Ausgabe vom Knesebeck Verlag holen soll. Die von Robert Ingpen illustrierten Bücher sind übrigens auch echte Prunkausgaben.

    Auf jeden Fall ist der Blog nun in meinem RSS Reader abonniert und ich freu mich schon sehr auf neue Beiträge.

    Herzliche Grüße
    Tobi

    • Tom

      Hi Tobi!

      Danke für die Blumen! Schön einen Gleichgesinnten kennenzulernen. Habe gerade erst realisiert, dass du der Tobi von den schönen Lesestunden bist. Wow! Dagegen ist das hier ja ein kleiner Laden.

      Zu deiner Frage: Das hier ist, wie von dir vermutet, eine Reprintausgabe der alten Hartleben-Reihe. Die neue von Knesebeck kannte ich noch gar nicht, guter Tipp! So schön illustriert ist die hier bei weitem nicht, dafür fast genauso teuer. Wie die Knesebeck-Ausgabe äußerlich beschaffen ist, konnte ich jetzt auf der Verlagsseite leider nicht erkennen. Also gib dir einen Ruck und hol sie dir. Dann freuen wir uns hier auf die schönen Artikel-Fotos (ja da sind wir schon ein bisschen neidisch) von deiner Seite.

      Mit bestem Gruß
      Tom

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